Bericht vom 16.11.05
Ganze Kneipe für ein Hobby
Den Slotcarclub SCC Ruhr gründeten Andreas Bruckert, Dirk Bockholt und Christian Risse (von links).

Von Esther Fernholz
Fotos: WAZ, Walter Buchholz
Am Regler bestimmt der Drücker das Tempo. Für eine Runde brauchen die routinierten Fahrer im Schnitt rund 12 Sekunden. Sie sind infiziert mit dem Carrera-Virus: Andreas Bruckert (42), Christian Risse (32) und Dirk Bockholt (41). Für ihr skurriles Hobby haben sie sogar eine ganze Kneipe gemietet. Wo einst das Bier über die Theke ging, rasen jetzt Carrera-Autos auf sechs Spuren die 38-Meter-Bahn entlang. "Wir haben hier eine der längsten Bahnen Deutschlands", sagt Andreas Bruckert.
Die Schienen sammeln die Männer schon seit ihrer Kindheit. "Ich bin schon seit meinem siebten Lebensjahr Fan", meint Dirk Bockholt. Und, so scheint es, in diesem Fall stirbt das Kind im Mann wohl nie. Auslöser für die "Neuinfektion", wie es die Sammler selbst nennen, waren Bruckerts Nachbarkinder. "Die wollten unbedingt mit der Carrera-Bahn spielen. Und da bin ich auch wieder auf den Geschmack gekommen", gesteht der 42-Jährige ein.
Seit Januar 2004 sind die drei Männer ständig am Drücker. "Ich verbringe hier bestimmt 40 Stunden im Monat", erklärt Dirk Bockholt. Und weil sich zu den drei Carrera-Verrückten noch andere Begeisterte hinzu gesellten, gründeten die Männer den Slot-Car-Club-Ruhr. "Wir veranstalten hier richtige Rennabende", sagt Bruckert. Dazu haben sie auf rund 90 Quadratmetern auch genügend Platz. "Der Raum ist jetzt optimal genutzt", erklärt Risse. Noch mehr Schienen passten nicht rein in die ehemalige Kneipe.
Eine Besonderheit der Bahn ist, neben den sechs Spuren, das angeschlossene Computersystem. "Wie bei der Formel Eins gibt das System Startzeichen und errechnet Zeiten", erläutert Bruckert. "Beim öffentlichen Fahren kommen natürlich auch blutige Anfänger hinzu. Die brauchen dann länger", meint Bockholt. Wie bei den richtigen Autorennen kommt die Rundenzeit auf der Bahn an: Wenn lange keiner mehr gefahren ist, dann sind die Autos langsamer. Das dürfte bei den Carrera-Begeisterten allerdings nicht häufig der Fall sein.
Ihr Hobby lassen die drei Männer sich richtig was kosten. Der Ausbau auf 38 Meter hat allein 3000 Euro gekostet. Hinzu kommen die Regler, Autos und Reparaturkosten. "Ein richtig aufwendiges Auto liegt so bei fast 300 Euro", sagt Bruckert.
Angefangen hat Dirk Bockholt mit einer Bahn, die sieben Meter lang war. Da sei das Fahrgefühl jetzt schon besser. Trotzdem reizt die Männer ein weiterer Ausbau. "Es gibt immer noch Sachen, die wir verbessern wollen", gibt Bruckert zu. Als nächstes denkt er da an eine Bahnbeleuchtung, "damit wir auch Nachtrennen fahren können."
Die Entwicklung Vorläufer der Autorennbahnen waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mittels Uhrwerk angetriebene Automodelle, die durch eine Randerhöhung in der Spur gehalten wurden. In den frühen 1950ern kam im wettfreudigen Großbritannien, bevorzugt in den Hinterzimmern von Gaststätten, das "Railracing" in Mode. In den 1960er Jahren entwickelte sich der Slotracingboom mit Meisterschaften und attraktiven Preisgeldern zunächst in den USA.
Quelle: WAR vom 15.11.2005
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